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Wein-Wissen für Anfänger

Passend zur Weinlese beantwortet Winzerin Viola Albrecht vom Weingut Albrecht-Kiessling in Heilbronn die wichtigsten Fragen rund um den Rebensaft.

Wie unterscheiden sich die Weinregionen in Deutschland?

Wir haben 13 Weingebiete in Deutschland, die meisten im Südwesten Deutschlands. Sie sind international bekannt und haben jeweils ihre Eigenheiten. Württemberg steht für die Rebsortendiversität und den Schwerpunkt Rotwein. In der Pfalz mit ihren sandigen Böden wächst beispielsweise der Riesling gut. Die Ahr ist bekannt für ihren Spätburgunder. Das Schiefergestein der Moselregion prägt den Geschmack der Weine, die dort angebaut werden und die Nahe mit ihrer Bodendiversität bringt besonders vielfältige Weine hervor.

Wie nähert man sich am besten dem Weingenuss?

In der Regel nähert man sich bei einer Weinverkostung erst milderen, feinherben Basisweinen und arbeitet sich dann zu komplexeren Geschmäckern vor. Den Winzer kann man alles fragen, was einen rund um den Weinanbau und die -herstellung interessiert.

Welche Rolle spielt beim Weintrinken das richtige Glas?

Wein ist ein sehr emotionales Getränk und benötigt ein entsprechendes Umfeld. Ich empfehle entweder ein Stielglas oder einen leicht isolierten Becher. Das ist wichtig, damit sich der Wein nicht durch die Wärme der Hand erwärmt. Wichtig ist, dass der Wein im Glas Luft bekommt, um zu atmen und zum Schwenken einlädt. Auf diese Weise entfaltet sich der Geschmack am besten.

Bei welcher Temperatur sollte man den Wein trinken?

Es gilt die Faustregel, dass Weißwein gekühlt bei etwa 10 bis 14 Grad Celsius getrunken werden sollte. Rotwein sollte Zimmertemperatur haben, wobei dabei zu beachten ist, dass die Räume früher nicht so stark geheizt waren wie heute. Zwischen 18 und 20 Grad ist die ideale Temperatur für Rotwein, wobei es da meiner Ansicht nach kein Richtig oder Falsch gibt. Man sollte Wein so trinken, wie er einem schmeckt und auch mal rumexperimentieren. Mit einer anderen Temperatur getrunken, kann ein Wein zu einem ganz anderen Getränk werden.

Welche Auswirkung hat die Temperatur auf den Geschmack?

Man sagt: Mit steigender Temperatur wird ein Wein ehrlich. Mufftöne und andere Fehler sind dann leichter zu schmecken. Umgekehrt bedeutet das: Wenn man einen schlechten Wein stark runterkühlt, wird er trinkbarer.

Was ist der richtige Verschluss für einen Wein?

Das ist eine Frage der Philosophie. Schraubverschlüsse sind die dichtesten Verschlüsse und durchaus empfehlenswert. Kork lässt zu, dass der Wein atmet. Das ist besonders erstrebenswert bei einem Wein, der sich noch entwickeln soll, beispielsweise bei einem kräftigen Rotwein. Allerdings kann Kork auch Geschmack an den Wein abgeben, wenn die Qualität minderwertig ist. Von Plastikkorken halte ich nichts. Für unsere Weine verwenden wir nur hochwertigen Kork oder Schraubverschlüsse.   

Welche neuen Sorten sind gerade angesagt?

Wir sind Verfechterinnen traditioneller Anbaumethoden, merken aber, dass wir uns aufgrund des Klimawandels anpassen müssen. Sorten aus dem Süden wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Sauvignon Blanc halten auch in Deutschland zunehmend Einzug. Ein anderer Trend sind pilzresistente Sorten. Diese Veränderungen gehen aber langsam vonstatten, denn schließlich ist ein Weinberg auf 40 Jahre angelegt.

Hat der deutsche Riesling eine Zukunft?

Davon bin ich überzeugt. Er wird zunehmend in kühleren Lagen angebaut, von denen man früher überzeugt war, dass dort die Trauben nicht reif werden. Mit den steigenden Temperaturen können dort die traditionellen Sorten vorerst weiterhin wachsen.

Was ist die beste Zeit, um ein Weingut zu besuchen?

Ich mag das Frühjahr und den Herbst am liebsten. Im Frühling blühen viele Kräuter in den Weinbergen. Ab Juni ist dann auch die Rebblüte zu beobachten. Der Herbst bringt bunt verfärbte Blätter und die Weinlese. Das ist natürlich auch wunderschön.

 Fotos: Madlen Krippendorf

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