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Nüsse naschen

Landvergnügen war bei der Haselnussernte in Bayern dabei und lernte eine Vielfalt an Sorten und Verarbeitungsmöglichkeiten kennen.  

In eine Staubwolke gehüllt rollt die Erntemaschine durch die Haselnussplantage im südöstlichen Oberbayern. Mithilfe von Gummilappen schiebt sie die auf dem Boden liegenden Früchte zusammen. Eine weitere Maschine kehrt sie auf und reinigt die Haselnüsse bereits grob von Schmutz und Blättern.

Die Haselnüsse werden von Maschinen aufgelesen (Foto: Madlen Krippendorf)

Weil Nüsse eigentlich vor allem in wärmeren Gegenden wie der Türkei oder Italien wachsen, war es für Johannes Mayer gar nicht so leicht, die richtigen Geräte zu bekommen. „Die italienischen Maschinen sind auf trockene Böden ausgerichtet und für unsere Region nicht geeignet“, sagt er. Kurzer Hand baute der technisch versierte Zimmermann die Landmaschinen nach seinen Anforderungen um und fährt damit von Anfang September bis Mitte Oktober die Ernte ein.

Pioniere des Haselnuss-Anbaus

Haselnussanbau ist in Deutschland ein Nischengeschäft. 98 Prozent des Bedarfs wird importiert. Zwar stehen in vielen Gärten oder an Wegesrändern einzelne Sträucher, doch auf den Anbau im großen Stil sind nur wenige deutsche Landwirte spezialisiert. Und so schüttelten viele Nachbarn und Kollegen den Kopf, als Johann und Rita Mayer, die Eltern von Johannes, ihren Milchkuhbetrieb Mitte der Neunziger Jahre aufgaben und stattdessen Haselnüsse anbauten.

Bäumchen schüttel dich (Foto: Madlen Krippendorf)

Trotz der speziellen Landmaschinen ist bei der Ernte immer noch Handarbeit nötig. Mit voller Kraft schüttelt Johannes Mayer die Bäume, damit die Nüsse auf den Böden fallen. Der Baum entscheidet selbst, wann sie reif genug sind. Es sind runde, aber auch längliche Früchte dabei. Zehn bis zwölf unterschiedliche Sorten wachsen auf den Plantagen der Familie Mayer. Einige haben eine dunkle, andere eine zebraartig gemusterte Schale, eine Vielfalt, die die meisten Supermarktregale dem Kunden vorenthalten.

Reiche Ernte (Foto: Madlen Krippendorf)

Rita Mayer kennt die Geschichte und Eigenart jedes einzelnen Baumes, bemerkt Frost- oder Vogelschäden an der Rinde und weiß, wo sie einen Ast abknicken muss, damit er künftig mehr Früchte trägt. „Man muss sich um jeden Baum kümmern, wenn man erfolgreich sein will“, sagt die Haselnuss-Pionierin.

Vielfältiger Geschmack

So unterschiedlich die Haselnüsse aussehen, so verschieden sind sie im Geschmack, der sich beim langsamen Kauen im Mund entfaltet und wenig mit dem sägemehlartigen Einerlei industriell verarbeiteter Haselnüsse zu tun hat. „Die schmecken wie früher“, finden viele Kunden der Mayers.

Damit die Haselnussbäume nicht zu Büschen auswachsen, pflanzt Rita Mayer die aus dem Boden ragenden Triebe in den „Kindergarten“ ihrer kleinen Baumschule um, wo die Bäume heranwachsen können, bis sie mit etwa fünf Jahren eigene Nüsse tragen. Mit zehn Jahren sind sie dann auf der Höhe ihrer Leistungskraft.

Der Hof von Familie Mayer (Foto: Madlen Krippendorf)

Die Jungbäume der Mayers befinden sich im benachbarten Neumarkt-St. Veit, wo die Familie auf einem großzügigen Vier-Seiten-Hof lebt und gemeinsam mit Hofhund Rocky die Landvergnügen-Gäste empfängt. Mit dem Wohnmobil können sie ihren Platz selbst wählen und stehen zum Beispiel auf einer Anhöhe gleich neben einem uralten Haselnussstrauch mit Blick auf die umliegenden Felder und Wälder.

Die ganze Vielfalt, zu der sich die gesunden Nüsse verarbeiten lassen, wird an der Theke des kleinen Hofladens deutlich. Dort gibt es neben ganzen Haselnüssen auch –Öl, -Mehl, -Brände oder selbstgebackenen –Zwieback. Rita Mayer gibt ihren Kunden zudem bewährte Rezepte auf den Weg, die den Geschmack heimischer Haselnüsse besonders gut zur Geltung bringen, zum Beispiel den leckeren Haselnusskranz.

Rita Mayer in ihrem Hofladen (Foto: Madlen Krippendorf) 

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