Gastgeber der ersten Stunde

Gastgeber der ersten Stunde

111 Höfe sind von Beginn an bei Landvergnügen dabei. Zum zehnten Jubiläum haben wir mit einigen von ihnen gesprochen – über ihre Motivation, ihre Erfahrungen und ihre Wünsche für die Zukunft.

Mühle Zänker, Sachsen-Anhalt

Seit 1902 stellt der Handwerksbetrieb Mehl aus regionalem Getreide her und verkauft seine Produkte im eigenen Mühlenladen.

Wie hat Sie Landvergnügen vor zehn Jahren überzeugt, Gastgeber zu werden?

Liane Hütter: Wir inserieren schon lange in einem Direktvermarkterverzeichnis für Sachsen-Anhalt. Darüber hat uns Ole Schnack wohl gefunden. Ich fand die Idee klasse und wir haben viel Platz. Sogar sehr große Fahrzeuge hatten wir schon auf dem Hof.

Welche Begegnungen sind Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Ich bin immer wieder verwundert, dass die meisten Leute ihren Caravan kaum verlassen. Auch wenn ich ihnen anbiete, sich mit ihren Klappstühlen an den Bach zu setzen, machen das eigentlich die wenigsten und bleiben lieber direkt am Fahrzeug. Die, die das machen, sind meist auch aufgeschlossener. Mit denen kommt man leichter ins Gespräch.

Wie haben sich die Camper verändert?

Eigentlich nicht. Die meisten reisen bei uns mit ihrem Hund an, da wir das im Buch auch so angegeben haben. Über die Hunde kommt man auch schnell in Kontakt.

Inwiefern profitieren Sie von dem Konzept?

Das Schönste ist, man braucht sich um nichts zu kümmern. Ich verzichte gänzlich auf Bürokratie und mache nichts Schriftliches, ganz unüblich in Deutschland. Man sagt „Herzlich Willkommen“ und „Auf Wiedersehen“, das war’s. Die meisten Gäste finden auch etwas Brauchbares im Hofladen. Wir sind durch unseren Arbeitsort gebunden. Aber wir waren schon immer ein offenes Haus. Dank Landvergnügen kommen Menschen aus ganz Deutschland und Europa zu uns.

Kürbishof Schnell, Bayern

Mitten in Franken baut Familie Schnell Kürbisse an und verarbeitet sie unter anderem in der eigenen Ölmühle.

Warum passt das Konzept von Landvergnügen gut zu Ihrem Betrieb?

Petra Schnell: Man kann den Urlaubern die Landwirtschaft näherbringen und zeigen, dass es vielfältige regionale Produkte gibt, wie zum Beispiel unsere Kürbiskernprodukte und im Herbst Speisekürbisse und Süßkartoffeln.

Welche Begegnungen mit Gästen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Im Prinzip gibt es zwei Gruppen: die einen, die einen kostenlosen Stellplatz möchten und die anderen, die interessiert und aufgeschlossen sind und sich freuen, dass sie Höfe besuchen und auch einen Eindruck von der Landwirtschaft bekommen können. An die netten, aufgeschlossenen Gäste denke ich besonders gerne.

Welche Wünsche haben Sie für die kommenden zehn Jahre?

Gerne mehr von den netten und aufgeschlossenen Gästen, und weniger von denen, die ihren Müll hinterlassen oder abends um zehn noch anrufen und jetzt sofort einen Stellplatz möchten.

Gutshof Kraatz, Brandenburg

Der urige Hof in der Uckermark verfügt über eine Weinschänke, einen Hofladen und eine eigene Kelterei, die Äpfel, Birnen und Quitten von den umliegenden Streuobstwiesen verarbeitet.

Wie haben Sie Landvergnügen kennengelernt?

Florian Profitlich: Daisy von Arnim, die auch in der der ersten Ausgabe dabei war, erzählte uns davon, dass ein neuer Stellplatzführer im Entstehen begriffen sei. Daraufhin suchten wir den Kontakt zu Landvergnügen.

Welche Begegnungen blieben Ihnen besonders im Gedächtnis?

Nicht viele im Einzelnen. Aber im Großen und Ganzen ein positives Grundgefühl, angenehme, umsichtige Menschen bei uns zu Gast zu haben. Natürlich erinnert man sich auch an einzelne Begegnungen, wenn die Gäste mit ihren großen Fahrzeugen nicht rückwärts fahren können oder einige im Zelt auf dem Hochdachkombi übernachteten. Manche Gäste sind auch besonders an den Produkten interessiert, die wir herstellen.

Wie haben Sie Ihr Angebot an die Camper angepasst?

Wir haben ein paar zusätzliche Gartenmöbel angeschafft, damit die Reisenden mit den kleinen Autos etwas mehr Aufenthaltsqualität haben.

Inwiefern zahlt sich das Konzept aus?

Wir haben zusätzliche Gäste in Restaurant und Hofladen.

Bio Rosenschule Ruf, Hessen

Der Bioland-Hof baut auf sechs Hektar Rosen an, veranstaltet Schnitt- und Kochkurse und bietet im Rosenlädchen seine Produkte an.

Inwiefern passt Landvergnügen gut zu Ihrem Hof?

Sabine Ruf: Das Konzept war für uns von Anfang an interessant. Besonders im Juni, wenn die Rosen blühen und ihr Duft in der Luft liegt, ist unser Hof eine Reise wert.

Gibt es „Stammgäste“?

Es gibt auf jeden Fall Menschen, die mehrmals kommen oder auch ganz gezielt, weil sie sich für unseren Betrieb interessieren. Einige melden sich auch zu unseren Schnittkursen an, beliebter bei den Reisenden sind aber unsere kulinarischen Angebote wie das Rosenfrühstück oder der Rosentafelabend.

Was nehmen die Menschen mit?

Sie sind eigentlich immer begeistert und gewinnen neue Eindrücke. Viele kaufen im Rosenlädchen etwas ein, mal sind es nur sechs Eier fürs Frühstück, mal eine Rosenmarmelade oder andere hofeigene Produkte für sich oder als Mitbringsel.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Campern gemacht?

Wir können uns nicht beschweren. Das Feedback der Reisenden ist bis auf Einzelfälle sehr positiv. Unser Stellplatz liegt etwas abseits vom Betrieb direkt an den Rosenfeldern. So stören die Camper nicht den Betrieb und werden umgekehrt nicht von uns gestört.

Bildnachweise: Jakob Kienzerle (1) Madlen Krippendorf (Mühle Zänker), privat (Kürbishof Schnell, Gutshof Kraatz, Rosenschule Ruf)