Auf Tour durch Österreich 🇦🇹

Auf Tour durch Österreich 🇦🇹

Mit Landvergnügen Digital könnt ihr ab sofort auch Österreich bereisen. Wir haben es im Herbst ausprobiert und vier ganz unterschiedliche Höfe besucht. 

Es ist viel zu tun auf dem Obsthof Schurm, denn die Apfelernte ist in vollem Gange. Martin und Silvia Schurm nehmen sich trotzdem Zeit für uns. Sie erzählen, wie sie den elterlichen Hof 2003 übernommen haben. Inzwischen hilft auch Sohn Christoph Schurm tatkräftig mit. Nach seinem Master an der Wein-und Obstschule übernimmt er mehr und mehr Verantwortung auf dem elterlichen Hof.   

Vor allem Äpfel, aber auch Birnen, Trauben, Zwetschgen und Marillen wachsen auf den Plantagen im oberösterreichischen Lichtenberg. Um eine hohe Qualität der Früchte sicherzustellen, werden die Pflanzen das ganze Jahr hingebungsvoll gepflegt.  Höhepunkt ist die Ernte. Die Schurms machen sie zu einem geselligen Ereignis: An drei Wochenenden im Oktober laden die Obstbauern fleißige Freiwillige ein, die mit ihnen zusammen die Früchte von den Bäumen holen. „Schurms helfende Hände“ heißt das Format. Zur Stärkung gibt es Kaffee und Kuchen. Der Erntetag endet mit einer Afterparty. 

Aus den Früchten stellen die Schurms vornehmlich Säfte her. Aber auch Apfelweine, Essig und Brände aus eigener Produktion können Kunden im Hofladen kaufen. Dort finden sie auch regionale Produkte anderer Hersteller wie das Rinderfleischpulver Speckup, das herzhaften Gerichten eine spezielle Würze verleiht.  

„Wir arbeiten sehr eng mit anderen Landwirten zusammen. Ohne das geht es nicht“, ist Martin Schurm überzeugt. So bringen die Leute aus dem Dorf ihr Obst zum Pressen vorbei. Die Tresterreste aus der Obstpresse wiederum werden an die Hirsche des Nachbarn verfüttert. Das Wildfleisch verkaufen die Schurms in ihrem Hofladen – ein Kreislauf, der allen dient.   

Archehof mit eigener Bar 

Mit einem prall gefüllten Einkaufskorb nehmen wir Abschied vom Obsthof Schurm und werden 260 Kilometer weiter von Magdalena Kerschhaggl willkommen geheißen. Die junge Landwirtin leitet den Meissnitzerhof. Mit ihren Piercings und der auffälligen Frisur würde man sie eher in einer Großstadt wie Wien verorten. Und tatsächlich haderte Magdalena lange mit dem Landleben, bevor sie vor einigen Jahren dann doch den elterlichen Hof übernahm und nach ihren Vorstellungen umkrempelte. Oma Elisabeth steht ihr als helfende Hand und Ratgeberin zur Seite. 

 Auf dem Meissnitzerhof leben alte Haustierrassen, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu gehören niedliche Walliser Schwarznasenschafe, die für ihr langes weiches Fell bekannt sind. Außerdem stehen Pinzgauer Kühe auf der Weide, die so robust sind, dass sie Wind und Wetter trotzen. Und auch gefleckte Kunekune-Schweine leben auf dem Hof. Auf den Feldern wachsen Nutzhanf und Ur-Roggen. 

 Hund Pan hält alle zusammen und heißt Reisende willkommen. Denn Magdalena Kerschhaggl hat gerne Gäste. Sie kommen nicht nur mit dem Wohnmobil, sondern übernachten auch in den hofeigenen Ferienwohnungen und einer Hütte auf der Alm. Einen festen Preis verlangt die Gastgeberin nicht. Stattdessen folgt sie ihrer eigenen „Wertschätzungsphilosophie“: Jeder gibt, was er hat, und am End’ passt’s scho. 

Treffpunkt für Gäste ist die Hof-Bar Troadkostn. Dort lädt uns Magdalena Kerschhaggl auf eine lokale Spezialität ein: Der köstliche Lungauer Rahmkoch ist eine Süßspeise bestehend aus Mehl, Butter, Zucker und Sahne. Dazu stoßen wir mit einem Zwetschgenschnaps an. 

Winzer mit Passion 

Weiter geht die Reise zum Herrenhof Lamprecht. Bei all den Auszeichnungen, die sich Gottfried Lamprecht bereits verdient hat, fällt es schwer zu glauben, dass er seine Liebe zum Weinbau erst spät entdeckt hat. Wo heute Trauben unter der Sonne der Steiermark reifen, wuchs eigentlich Obst. Der Quereinsteiger pflanzte ab 2006 auf 90.000 Quadratmetern jede Rebe eigenhändig an. Das Holz für die Fässer, in denen der Wein reift, stammt aus den eigenen Wäldern.  

Als „altmodisch und zeitlos“ bezeichnet der Winzer seine Bio-Weine, die er bis nach Nordamerika, Skandinavien und Belgien exportiert. Weiß- und Grauburgunder wachsen auf dem Sand- und Kalkboden ebenso wie Sauvignon Blanc, Pinot Noir oder ein Orange Wein. 

 Mit der Weinproduktion allein ist es für Gottfried Lamprecht nicht getan. Er betrachtet seine Arbeit ganzheitlich. Seine Weinetiketten entwirft er selbst: Bei den einjährig gereiften Weinen sind sie schwarz-weiß, bei den zweijährigen bunt. 

Natürlich lassen wir uns eine Weinprobe nicht entgehen. Zum Glück müssen wir anschließend nicht mehr fahren: Die Nacht verbringen wir in unserem Wohnmobil mit Blick über den Weingarten. 

Kreativ in der Natur 

Eine Familie wie aus dem Bilderbuch erwartet uns auf dem Biohof Freudenberg im Burgenland. Hannah und Daniel Freudenberg haben für sich und ihre zwei Kinder ein naturnahes Reich gestaltet. Zur Familie gehören auch Schafe und Hühner.  

Neben der Liebe zur Landwirtschaft vereint das Paar eine kreative Ader. So bieten die beiden Gastgeber Workshops mit Holz und Ton an. Gäste können außerdem filzen, Kindergeburtstage und Teamevents auf dem Hof abhalten.  Über die kleine „Hoflade“ verkauft das Paar Selbstgemachtes wie Säfte, Brotaufstriche, Liköre und Tees. Zu unserer Überraschung gibt es auch Schaf- und Hühnermist im Glas. „Der gibt einen hervorragenden Dünger ab“, beantwortet Hannah unsere fragenden Blicke. Bezahlt wird über eine Kasse des Vertrauens.  

Besonders für Reisende mit Kindern ist der Hof ein Traum. Familien können sich frei bewegen und finden auf dem Hof viele Gelegenheiten zum Spielen. Bei einer selbstgemachten Gemüselasagne erzählen uns Hannah und Daniel, wie sie Job, Familie, Landwirtschaft und Kreativkurse unter einen Hut bringen – bewundernswert! 

Was wir von unserer Reise durch vier österreichische Bundesländer mitnehmen: Wir müssen wiederkommen. Die landschaftliche Schönheit und die offenen Menschen machen Lust darauf, Österreich und seine Menschen noch besser kennenzulernen.  

Fotos: Markus Nass